Der Gefahrgutzug des
Saarpfalz-Kreises


Alle Fotos zu diesem Bericht wurden während einer Schauübung 1995 in Niederwürzbach aufgenommen.
Durch Anklicken erhält man sie in einem größeren Format.



Täglich werden in Deutschland mehrere Tausend verschiedene chemische Stoffe hergestellt, gelagert, transportiert und weiterverarbeitet.
Ein großer Teil dieser Substanzen birgt eine nicht unerhebliche Gefahr für unsere Gesundheit und unsere Umwelt.
Die Stoffe können z.B. brennbar, giftig oder ätzend sein. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen kommt es immer wieder zu kleineren und größeren Unfällen, bei denen solche Stoffe freiwerden. Um in diesen Situationen die Gefahren für Mensch und Umwelt möglichst gering zu halten, wurden im Saarland sechs Gefahrstoffzüge stationiert, von denen einer in Blieskastel steht.

Das Kernstück dieses Zuges ist der Rüstwagen Gefahrgut (RWG).

Ergänzt wird der Gefahrstoffzug u.a. durch den Einsatzleitwagen (ELW1) und den Gerätewagen Atemschutz (GWA).

Natürlich reicht es bei weitem nicht aus, auf eine gute Ausrüstung zurückgreifen zu können. Besonders auf dem Gebiet der Gefahrgutabwehr ist eine fundierte Ausbildung von größtem Wert.
Diese Ausbildung wird durch die Landesfeuerwehrschule des Saarlandes in Saarbrücken sichergestellt.

Was tut nun die Feuerwehr, wenn ein Unfall mit gefährlichen Stoffen eintritt?

Ich möchte einmal an einem stark vereinfachten Beispiel zeigen, wie ein solcher Einsatz ablaufen kann:

    Lage:
    Flüssigkeit läuft aus Gefahrgut-LKW aus.

    Das Problem ist zuerst einmal, daß kein Einsatz wie der andere ist. Die Gefahrstoffe haben die unterschiedlichsten Eigenschaften und Gefahren. Sie müssen auch dementsprechend unterschiedlich behandelt werden.
    Alle folgenden Maßnahmen müssen immer unter Beachtung der entsprechenden Gefahren für die Einsatzkräfte durchgeführt werden.
    Zuerst müssen die Einsatzkräfte den Stoff und dessen Eigenschaften erkunden.
    In Deutschland muß jedes Fahrzeug, das eine bestimmte Menge Gefahrgut transportiert, laut Gefahrgutverordnung Straße (GGVS) mit orangefarbenen Tafeln ausgerüstet sein, um es als solches kenntlich zu machen. Bei bestimmten Gütern sind auf dieser Warntafel zwei Nummern zu sehen.

    Warntafel

    Die obere Nummer (Kemler-Zahl) dient zur Kennzeichnung der Gefahr. Die untere Nummer (UN-Nummer, entsprechend einer von den Vereinten Nationen erstellten Stoffliste) kennzeichnet den Stoff.
    Durch Nachschlagen in der entsprechenden Literatur, z.B. dem sogenannten "Hommel", der auf dem RWG verladen ist, kann man nun den Stoff bestimmen. Außerdem erfährt man noch Hinweise auf seine Eigenschaften, die Gefahren, die beim Freiwerden entstehen und sonstige Informationen.

    Nehmen wir an, es handelt sich um eine Säure, die dazu noch leicht entzündlich ist.TLF16, Pumpenraum
    Zuerst wird die Einsatzstelle abgesperrt, und ein dreifacher Brandschutz wird sichergestellt. Unter dreifachem Brandschutz versteht man das Bereitstellen von Pulver, Schaum und Wasser, um bei einer möglichen Entzündung des Stoffes schnell und effektiv eingreifen zu können.
    Zeitgleich wird der Stoff und seine Gefahren ermittelt, um Maßnahmen festlegen zu können.

    Maßnahmen:
    Auffangen der Flüssigkeit, Abdichten des Lecks, Ring-Erdung, Umpumpen des Stoffes, alle Arbeiten unter Chemikalienschutzanzug. Aufbau

    Um die Gefahr für die Einsatzkräfte möglichst gering zu halten, arbeiten in unmittelbarer Nähe des Gefahrstoffes nur soviel Leute wie unbedingt notwendig. Selbstverständlich mit der entsprechenden Schutzausrüstung. In unserem Fall ist dies der Chemikalienschutzanzug, einem luft- und wasserdichten Anzug, der gegen die meisten chemischen Stoffe resistent ist.
    Um einer Entzündung des Stoffes durch Funkenbildung aufgrund elektrostatischer Aufladung vorzubeugen, wird eine sogenannte Ring-Erdung aufgebaut, d.h. mittels Erdungskabels wird ein Potentialausgleich für alle Geräte, die mit dem Stoff in Berührung kommen, sowie für den Stomgenerator vorgenommen.
    Danach werden Maßnahmen ergriffen, die eine weitere Gefährdung der Umwelt durch den Gefahrstoff verhindern, z.B. indem man den Stoff auffängt und mittels einer selbstansaugenden Gefahrstoffpumpe, z.B. der sogenannten ELRO-Pumpe in andere Behälter umfüllt
    .Aufbau

    UmpumpenDies ist nur eine ganz grobe Abfolge der Maßnahmen, die ergriffen werden müssen, um bei einem Unfall, bei dem gefährliche Stoffe frei werden, die Gefahr für Mensch und Umwelt möglichst gering zu halten.
    Es läßt sich auch erkennen, daß der Gefahrgutzug besondere Anforderungen an eine Feuerwehr, besonders an eine Freiwillige Feuerwehr stellt.

    Die Kräfte, die sich in dem Chemikalienschutzanzug (CSA) befinden, sind, bedingt durch den völligen Abschluß von der Außenluft und der Verwendung von Preßluftatmern, einer besonderen körperlichen Belastung ausgesetzt.
    Schon alleine durch den bergrenzten Atemluftvorrat ist eine Tragezeit des CSA von etwa 30 Minuten vorgesehen, wobei 20 Minuten für den Einsatz und 10 Minuten für die Dekontamination veranschlagt werden.
    Da sich aber ein Gefahrguteinsatz in vielen Fällen über mehrere Stunden hinzieht, ist es notwendig, daß eine genügend große Anzahl von Atemschutzgeräteträgern zur Verfügung steht.


    Dekontamination der Einsatzkräfte
    Dekontamination der Einsatzkräfte

    Schnelleinsatzzelt
    Abgekämpfte Einsatzkräfte im Schnelleinsatzzelt

Letzte Änderung: 13.01.2012
> Hier klicken, um die Statistik zu sehen.<
© 1997-2010, Freiw. Feuerwehr Blieskastel-Mitte